Canalblog Tous les blogs Top blogs Emploi, Enseignement & Etudes Tous les blogs Emploi, Enseignement & Etudes
Editer l'article Suivre ce blog Administration + Créer mon blog
MENU
Formation Continue du Supérieur
12 août 2012

Halten Sie sich für schlau?

http://www.epapercatalog.com/images/zeit-online-epaper.jpgVon Dominic Graf. Die englischen Elite-Unis sind berüchtigt für ihre kniffligen Aufnahmetests. Skurrile Interviewfragen bringen sogar Musterschüler ins Schwitzen.
Florian Mockel wurde nicht verschont. Während seines Bewerbungsinterviews in Oxford fragte ihn der Prüfer, wie er einem Außerirdischen Politik erklären würde und wozu der Mensch sie überhaupt bräuchte. "Da musste ich schon tief schlucken und erst mal länger überlegen, wie ich darauf antworten soll", sagt der 22-Jährige.
Dann legte er los, erklärte, dass Menschen in Gruppen zusammenleben und sich organisieren müssten und kam schließlich bei den heutigen politischen Systemen an. In diesem Moment hatte er keinen blassen Schimmer, ob die Prüfer das hören wollten. Umso erleichterter war Mockel, als er schließlich angenommen wurde.
Damit gehört er zu den rund 20 Prozent, die das Aufnahmeverfahren überstehen. Der Weg dahin ist steinig: Wer mit seinen Schulnoten überzeugt, ein Empfehlungsschreiben vorweisen kann, seine Motivation schlüssig begründet und einen schriftlichen Test besteht, hat die größte Hürde immer noch vor sich: das Bewerbungsinterview.
Sagen, was man denkt

Das weiß auch John Fardon. Der Buchautor hat das Bewerbungsverfahren an der Universität Cambridge erfolgreich durchlaufen. Gerade ist sein Buch Halten Sie sich für schlau? auf Deutsch erschienen, eine Sammlung skurriler Testfragen der englischen Elite-Unis.Damit gehört er zu den rund 20 Prozent, die das Aufnahmeverfahren überstehen. Der Weg dahin ist steinig: Wer mit seinen Schulnoten überzeugt, ein Empfehlungsschreiben vorweisen kann, seine Motivation schlüssig begründet und einen schriftlichen Test besteht, hat die größte Hürde immer noch vor sich: das Bewerbungsinterview.
"Welche Bücher sind schlecht für Sie?", "Wie würden Sie das Gewicht Ihres eigenen Kopfes messen?" oder "Was würde passieren, wenn man ein Loch quer durch die Erde bohrte und dann hineinspränge?" Insgesamt 60 solcher Fragen führt Fardon auf. Zu jeder hat er eine Musterlösung verfasst.
Die Frage "Halten Sie sich für schlau?" etwa sollte man Fardon zufolge weder mit Ja noch mit Nein antworten, sondern mit "Ich bin so schlau, wie sie mich haben wollen" und dies wiederum mit Witz und Originalität begründen. Das Wichtigste: Nicht die Antwort sei das Ziel, sondern der Weg, der Gedankengang. "Man darf nicht den Fehler machen und still vor sich her grübeln. Die Tutoren wollen die Gedankengänge hören und wissen, wie man auf eine Antwort kommt", rät auch Florian Mockel.
Hartmut Mayer, Professor für Politik, Philosophie und Volkswirtschaft an der Uni Oxford, ist seit 15 Jahren einer der berüchtigten Prüfer. "Wir testen die Kandidaten auf ihre Spontanität, Kreativität und darauf, dass sie unter Druck konstruktive Problemlösungen hervorbringen können", sagt der Professor, der ursprünglich aus Deutschland stammt.
Fragen, wie sie Fardon in seinem Buch schildert, stürben aus, sagt Mayer. Denn mittlerweile gäbe es Kandidaten von englischen Privatschulen, die ein ganzes Jahr lang auf die Interviews vorbereitet werden und problemlos mit dem Überraschungsmoment umgehen könnten. Andere Bewerber von staatlichen Schulen oder aus dem Ausland seien das nicht gewöhnt und würden oft total aus dem Konzept gebracht. "Diese ungerechte Behandlung darf nicht das Ziel sein."
Auch Alexandra Kyjak-Lane musste sich in einem Interview beweisen, um Deutsch in Oxford studieren zu dürfen. Seit sie 14 Jahre alt war, träumte sie vom Studium an einer Elite-Uni. Als sie zum Interview am St. Hilda's College in Oxford eingeladen wurde, wollte sie nichts dem Zufall überlassen – und begann, ein Buch nach dem anderen zu Lesen, am Ende waren es 40, von Kant bis Schiller.
Doch all das half ihr wenig: "Ich erhielt ein ganz komisches Gedicht, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte. Ich begann zu schwitzen und hatte große Angst, dass die ganze Vorbereitung umsonst war." Trotz der Überraschung fing sie an, das Gedicht zu analysieren. Sie sagte einfach, was ihr spontan einfiel – mit Erfolg. Heute weiß Kyjak-Lane: Es geht nicht um reines Wissen, sondern um das Potenzial, das ein Kandidat mitbringt.
Hart aber fair

"Es hat keinen Zweck, extra möglichst viele Bücher zu lesen und Fakten zu sammeln", sagt auch Florian Mockel. Natürlich werde ein gewisses Grundwissen und ein relativ breiter Überblick über das Fachgebiet vorausgesetzt, aber das trifft nicht nur auf Elite-Unis zu. Was viel mehr zähle, sei, dass man nicht einfach nur ein guter Schüler ist und gut lernt, sondern das Gelernte auch hinterfragt und sich seine eigenen Gedanken dazu macht, sagt Mockel.
Oxford-Professor Hartmut Mayer bestätigt das: "Analytische Kompetenz, eine schnelle Reaktionsfähigkeit und die persönliche Motivation für das angestrebte Studienfach sind die Elemente, auf die wir am meisten Wert legen." Da die vorhergehende Bewerbungsprozedur sehr anspruchsvoll sei, wolle er den Kandidaten während des Interviews keine unnötigen Steine in den Weg legen und so faire Fragen wie möglich stellen.
So denken aber längst nicht alle seiner Kollegen. "Manche sind nur darauf aus, einen Kandidaten in die Pfanne zu hauen." Einmal fragte ein Professor im Bewerbungsinterview, weshalb die Landebahn des Flughafens Manchester länger sei als die Startbahn. Nachdem sich der Bewerber abmühte, eine einigermaßen plausible Antwort zu geben, belehrte ihn der Professor, dass die Bahnen in Wirklichkeit gleich lang seien. "Manchmal gibt es sie schon noch, die skurrilen Testfragen", sagt Mayer, "aber sie sind definitiv seltener als noch vor 20 Jahren."
Commentaires
Newsletter
53 abonnés
Visiteurs
Depuis la création 2 803 077
Formation Continue du Supérieur
Archives