WELT ONLINEVon Deike Uhtenwoldt. Das Abi garantiert noch lange keinen Studienplatz. Vor der ersten Vorlesung erwarten die angehenden Studenten immer öfter harte Eignungstests. Wer sie bestehen will, muss sich richtig vorbereiten.
Ein Bildschirm, eine Tastatur und eine Flasche Wasser: die Arbeitsplätze in der Hamburger Dekra Akademie sind aufgeräumt und funktional. Sichtschutzblenden verhindern den Blick zu den Nachbartischen. Nichts lenkt ab von den Aufgaben auf dem Monitor: Texte lesen, Aussagen ableiten, wirtschaftliche Zusammenhänge formalisieren, Grafiken interpretieren.
Durchaus machbar für die 60 Teilnehmer im Raum, die alle schon einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften in der Tasche haben. Wäre da nicht der Zeitdruck. Knapp vier Stunden für 90 Ankreuzaufgaben. Und wäre nicht die Nervosität: "Die Prüflinge sind aufgeregt - und wie!", sagt Betreuer Lothar Koblica an der Dekra Akademie. "Es hängt ja auch ein Stück Zukunft daran."
Über die Zukunft und in diesem Fall einen Masterstudienplatz entscheidet allerdings nicht das Team der Dekra Akademie. Es ist zuständig für die Räumlichkeiten, die Technik und die Umsetzung des Reglements, das von der ITB Consulting vorgegeben wurde. Das Bonner Beratungsunternehmen hat den Eignungstest für Masterstudiengänge in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, kurz TM-WISO entwickelt und bringt ihn jährlich in immer neuen Versionen in die jeweiligen Testorte. 97 Euro kostet die Prüfung die Studenten.
Bewerber der Universitäten Hamburg und Köln können mit der erfolgreichen Teilnahme ihre Chancen auf einen Masterstudienplatz erheblich verbessern. Nach der Bachelor-Note ist das Testergebnis ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Studienplatzvergabe, erklärt Stefanie Weide, Programm-Managerin an der Universität zu Köln, zu deren Aufgabenbereich die Masterzulassung gehört.
Allgemeine Studierfähigkeitstests sind in Deutschland nicht erlaubt, weil das Abitur die Zulassung zu jedem Studium ermöglichen soll. Fachbezogene Tests dagegen sind zulässig. Sie kommen vor allem in Masterstudiengängen der Wirtschaftswissenschaften zum Einsatz, wie an der Leuphana Universität Lüneburg, der Bucerius Law School oder der Fresenius Fachhochschule.